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Städtebaulich-architektonischer Realisierungswettbewerb "SMART LIVING" Erfurt, Beschränkter Wettbewerb

Freitag, 28 Oktober 2016
STÄDTEBAULICHES KONZEPT

STÄDTEBAULICHE EINORDNUNG
Das Baugrundstück befindet sich unweit der hochwertigen Erfurter Altstadt zwischen Juri-Gagarin-Ring und den grünen Rückzugsbereichen am Gera-Flutgraben. Nach dem Verlust der gründerzeitlichen Bebauung zeigt sich die heutige Bebauung in ihrer Städtebaulichen Struktur und Architektur sehr heterogen. Ein Bezug zur einstigen Gründerzeitstruktur besteht nicht. Die jetzige Raumkante entlang des Altstadtrings agiert sehr offen in Verbindung mit großen Freiflächen. Der vorliegende Entwurf versucht, diese städtebauliche Situation mittels einer Einordnung von rhythmisch korrespondierenden Blockstrukturen zu korrigieren. Dem Verlauf des Straßenraumes folgend, werden die Raumkanten zum Altstadtring und entlang der Wallstraße blockweise geschlossen. Auf diese Weise entsteht ein in sich geschlossenes Quartier aus zwei Teilbereichen: dem akzentsetzenden Entree des Teilbereichs A und den von innerer Homogenität geprägten Blöcken des Teilbereichs B. Die Korrespondenz von innen und außen und damit von Bebauung, Freiraum und Wasser ist immer gegeben. Zwischen beiden Teilbereichen vermittelt ein zwischengeschalteter Quartiersplatz. Er fungiert nicht nur als attraktives Bindeglied zwischen den gewerblichen Nutzungsstrukturen im Teilbereich A und der hohen Privatheit des Wohnens in Teilbereich B. Über ihn besteht auch ein direkter Bezug zum Flutgraben und damit zum natürlichen Freiraum.


TEILBEREICH A
Den Auftakt in die neue städtebauliche Struktur bildet ein nach außen geschlossener, jedoch nach innen, sich zum Wasser hin öffnender aufgelöster Block im Anschluss an die südöstliche Ring-Bebauung. Bewusst in Flucht mit dem Haus der sozialen Dienste gesetzt, schützt ein fünfgeschossiger Riegel den Innenhof sowie ein das Carre vollendendes Hochhaus vor dem Verkehrslärm, der angrenzenden, stark befahrenen Straßen. Die Strenge der rechtwinkligen Raumkantenführung des Riegelbaus zum Altstadtring schafft einen wichtigen Kontrast zur Aufgelöstheit der umgebenden offenen Baustruktur.Die Vertikale des am nördlichen Blockrand eingeordneten Hochhauses korrespondiert in seiner Raumkantenführung mit den Hochhäusern am Krämpfertor sowie dem Dom. Darüber hinaus nimmt sie formal die Gebäudeflucht der zum Steinplatz vermittelnden Blocklinie des Quartiers an der Stauffenberg / Schlachthofstraße auf.

TEILBEREICH B
Zu diesem Teilbereich zählen 3 kompakte Blockstrukturen. Ihre stringent geführten Raumkanten folgen dem Verlauf der Wallstraße und dem Johannesufer mit abnehmender Gebäudehöhe. Damit gelingt die Vermittlung zwischen Neubau und kleinteiliger gründerzeitlicher Bestandbebauung. Zwischengeschaltete Freiräume öffnen sich zum Wasser und schaffen damit attraktive Freiraumbereiche im Wohnquartier.



ARCHITEKTONISCHES KONZEPT

Die hohe Wohnqualität der sich im Hochhaus befindlichen 60 Wohnungen wird erreicht durch eine klare Zonierung von öffentlichen und privaten Wohnräumen. Dem Gast wird durch die Grundrissstruktur die Zugänglichkeit zum öffentlichen Wohnbereich, welcher aus Diele, Gäste-WC mit Dusche, Hauswirtschaftraum, Küche und Wohnraum besteht, ermöglicht. Der private Bereich, welcher durch die individuellen Zimmer, den Verbindungsflur und das große Tageslichtbad definiert wird, bleibt allein, den eigentlichen Bewohnern vorbehalten. Die Wohnungen werden ausgestattet mit Tageslichtbädern, Gäste-WC´s mit Dusche, großzügigen Tageslichtküchen und an den begrünten Frei- bzw. Lufträumen angrenzenden Loggien, welche die Qualitäten der Wohnungen zusätzlich unterstreichen. Durch die, in der Grundrissebene eingeschobenen vier grünen „Terrassen“ wird die Belichtung der Bäder mit Tageslicht ermöglicht. Den Wohnungen wird zusätzlich zur großzügigen, dem Wohnbereich zugeordneten Loggia, eine weitere Loggia, welche dem privaten Wohnungsbereich zugeordnet wird, angeboten. Durch die Lage der grünen Terrassen zum Wohngrundriss, sind öffentliche und private Loggia der einzelnen Wohnungen, verschiedenen Himmelrichtungen zugeordnet und ermöglichen somit eine individuelle, tageszeitunabhängige Nutzung. Zur Schaffung privater Freiräume von gegenüberliegenden Loggien sowie die Sicherstellung des Blickschutzes zwischen den an den Freiräumen angeordneten Raumfunktionen verschiedener Wohnungen, werden auf den „Grünen Terrassen“ Wandscheiben geschaffen, welche die Versorgung der Pflanzen mit Wasser, Nährstoffen und deren Entwässerung sicher stellt. Daraus entwickelt sich ein Wohnhochhaus mit vier durchgrünten Wandscheiben, welche tief in die Kubatur des Hochhauses hinein schneiden und den Baukörper in sein äußeres und inneres Erscheinungsbild gliedern. Durch die Zuordnung von Pflanztrögen welche sich jeweils im Rhythmus von zwei Geschossen befinden, entstehen über zwei Ebenen Lufträume entlang der Wandscheiben, an denen sich das Grün des Hochhauses entwickeln kann. Diese begrünten Lufträume ermöglichen nicht nur die Belichtung von Bädern und Küchen, Sie ermöglichen auch, die innenliegenden Erschließungsflure des Treppenhauses über zwei Seiten mit Tageslicht zu versorgen. Zentral im Hochhaus angeordnet, befinden die Aufzüge sowie das Sicherheitstreppenhaus mit vorgelagerter Schleuse. Im Erdgeschoss befindet sich das großzügige Entree mit einem Ausgang zum Quartiersplatz und einem weiteren zum Innenhof. Der um ein halbes Geschoss höher liegende Innenhof wird von der fünfgeschossigen Blockbebauung umgeben, welche sich an den Raumkanten des Hochhauses öffnen und über zwei weitere Öffnungen städtebauliche Blickbeziehungen zur Umgebung ermöglichen. Um den ruhigen Innenhof vor Lärm der umliegenden Straßen zu schützen, werden in die Öffnungen der Blockbebauung große Scheiben aus Glas vorgesehen. Bewusst wurde für die Fassadengestaltung ein heller, im Farbton an Muschelkalk erinnernder Klinker gewählt, der in Verbindung mit den „Grünen Terrassen“ ein angenehmes Ambiente schafft.



FREIRAUMKONZEPT

Die geplanten Freiräume, dienen der Zonierung öffentlicher, halböffentlicher und privater Bereiche. Grünachsen betonen Gebäudefluchten und Blickbeziehungen. Pflanzflächen mit Büschen und Bäumen ergänzen Bestandsgrün und verzahnen sich mit Ihnen, oder schaffen Pufferzonen zum Verkehrslärm. Zwischen den beiden Teilbereichen auf Höhe der Hauptfassade des Thüringenhauses wird ein Platz ausgebildet, der mit Wasserfläche und Baumsaal fast städtischen Charakter trägt, aber bewusst durch den davor liegenden Grüngürtel vom Straßenraum getrennt wird. Er ist der baulichen Gesamtanlage zugeordnet. Von hier aus wird der Besucher zu den einzelnen Nutzungen und in den Innenhof geleitet. Dieser ist als kleiner Platz mit Sitzgruppen, gastronomischer Außenbewirtschaftung und einzeln gesetzten Pflanzflächen ausgestattet. Er liegt oberhalb des Straßenniveaus, über Rampe / Treppe zu erreichen und ist Ziel und nicht Weg. Der Halbgeschossversatz ermöglicht darüber hinaus auch Pflanzflächen mit Großgrün zu gestalten. Baumreihen zeichnen, parallel zu den bestimmenden Baufluchten liegend, wichtige Kanten und Achsen nach. Sie trennen Gebäude und Zuwegung vom Distanzgrün, welches nur scheinbar ungeordnet daherkommt. Es hat vorrangig schützende Funktion, es filtert Staub, dämpft die Lärmbelastung und schafft Abstand. Im Teilbereich B öffnen sich die Baukörper zum östlich liegenden Flutgraben. Das dortige Großgrün wirkt in die quartiersbezogenen halböffentlichen Freiräume hinein.



BRANDSCHUTZKONZEPT


Hochhaus
Das Hochhaus weist eine Höhe von weniger als 60 m auf, und benötigt daher für die Sicherstellung der erforderlichen Rettungswege nur ein Sicherheitstreppenhaus, welches baulich vom Treppenhaus der Tiefgarage getrennt ist und über einen direkten Ausgang in den Innenhof verfügt.

Tiefgarage
Die Tiefgarage ist eine Großgarage mit einer Fläche größer als 2.500qm und kleiner als 5.000qm. Aufgrund dieser Größe erhält die Tiefgarage ein Sprinklerung oder alternativ zwei Rauschabschnitte. Die Tiefgarage wird über Lüftungsöffnungen in der Decke natürlich be- und entlüftet.

Blockbebauung und Platzhaus
Für die Blockbebauung und das Platzhaus wird der 2. Rettungsweg über anleiterbare Fenster an den Außenkanten der Gebäude ermöglicht. Die Standorte der Bäume wurden bewusst so gewählt, dass eine Umfahrung und das Anleitern der Feuerwehr problemlos möglich ist. Lediglich die sechs zum Innenhof orientierten kleinen Zweiraumwohnungen erhalten vom 1. bis zum 3. Obergeschoss über die dreiteilige Steckleiter der Feuerwehr Ihren zweiten Rettungsweg.



STATISCHES KONZEPT

Hochhaus

Das statische Konzept des Hochhauses ist so konzepiert, dass die tragenden Wände der Wohnungen aller Geschosse übereinander liegen, was den Lastabtrag in einfacher Weise bis in das Erdgeschoss ermöglicht. Im Erdgeschoss werden die Lasten in Wandscheiben und Stützen über wandartige Träger in die Stützenstellung des Untergeschosses abgeleitet. Die Pflanztröge des Hochhauses sind statisch betrachtet verlängerte Loggien, die als zusätzliches Auflager die durchgehenden Wandscheiben nutzen. Die Konstruktion der Wandscheiben aus vier Einzelelementen wirkt auf das Hochhaus zusätzlich aussteifend und kann in ihrem Inneren die Versorgungsfunktion der Pflanzen aufnehmen.

Tiefgarage
Die Stützen der Tiefgarage sind statisch so angeordnet, dass sich diese unter den Außenwänden der darüberliegenden Gebäude befinden. Lediglich bei zwei Außenwänden wird die Lastabtragung über die in den Geschossen darüber liegenden wandartigen Träger sichergestellt.

Blockbebauung und Platzhaus
Analog dem Hochhaus, ist das statische Konzept so ausgelegt, dass die tragenden Wände aller Geschosse übereinander liegen um im Erdgeschoss die Lastabtragung in Wandscheiben und Stützen über wandartige Träger in die Stützenstellung des Untergeschosses ermöglichen.

Gründung:
Je nach Baugrundbeschaffenheit kommt als Fundament der darüberliegenden Baukörper eine Pfahl- oder Plattengründung zum Einsatz.